
Links zur Varusschlacht
Von Jens Lintel
Osnabrück
„Goldsucher.de" verleitet Websurfer zu (natürlich illegalen) Grabungen auf eigene Faust auf dem Gelände der Varusschlacht und stellt eine „enorme Funddichte" in Aussicht. Eine Webseite aus Halberstadt will ein „wissenschaftliches Komplott" aufgedeckt haben, nach dem die Varusforschung den lange unbekannten Austragungsort mit „getürkten Arbeiten" nach Kalkriese verlegt habe - in Wahrheit sei die berühmte Entscheidungsschlacht zwischen den Römern und den Germanen im Jahre 9 nach Christus im Nordharz nahe Halberstadt ausgetragen worden. Ganz schön happig.
Der historische Sieg des Germanenanführers Arminius über den römischen Feldherren Publius Quintilius Varus und seine Legionen ist nicht nur für Historiker, Archäologen und die Kalkrieser Musuemsleute ein heißes Thema. Das Gemetzel, das der römische Geschichtsschreiber Tacitus für die Nachwelt festgehalten hat, lässt auch im Internet die Datenleitungen glühen. Die Suchmaschine Google findet auf Anhieb 1640 Webseiten allein aus dem deutschsprachigen Raum, die sich mit dem Thema befassen. Das Spektrum reicht von „Skurrilem" wie dem Goldsucher und der Webseite aus Halberstadt über „Nützliches" wie einen Schulaufsatz zum Downloaden aus einer Hausaufgaben-Datenbank bis zu Infoseiten wie „Planet-Varusschlacht" des Königin-Mathilde-Gymnasiums Herford oder „Als die Römer frech geworden..." vom Gymnasium „Zum Altenforst" aus Troisdorf, auf denen Schlacht und Geschichte leicht verständlich aufbereitet werden.
Streng Wissenschaftliches ist natürlich auch dabei: Ein Studentenprojekt des Fachs Alte Geschichte der Uni Osnabrück fast unter der Überschrift „Die Örtlichkeit der Varusschlacht" den aktuellen Forschungsstand von der römischen Germanienpolitik bis zur Rezeption der Varusschlacht seit der frühen Neuzeit zusammen. „Daten, Fakten und Links zur Varusschlacht" finden sich daneben beim Institut für Klassische Philologie der Uni München - hier gibt es Karten, Zeittafeln, lateinische Originalzitate und vieles mehr. Die Fachgruppe Geschichte der Uni Konstanz hat sich mit der Frage beschäftigt, ob sich von Rhein bis Elbe eine einzige römische Provinz ausgedehnt habe. Antworten gibt ein multimediales Webprojekt, das Funde aus der Niederwedder-Senke in Kalkriese und von anderen Orten in einen Zusammenhang mit Texten über die Niederlage der römischen Legionen bringt.
Bemerkenswertes findet sich aber auch in der Liste der privaten Webseiten zur Varusschlacht. So hat etwa der Leeraner Autor Norbert Fiks „Archäologische und Literarische Spuren" der „Römer in Ostfriesland" zusammengetragen - umfangreich dargestellt in Text und Bild. Robert Berhorst auf Gießen dokumentiert kontroverse Thesen zum Thema „Römer in Germanien" - Kalkriese und das Schlachtgetümmel sind ein großes Thema dabei. Nicht ganz so umfassend beschäftigt sich daneben der Bad Essener Lehrer Ralf-Rainer Sass mit Varus und Kalkriese im Internet - er räumt auf seiner Webseite vor allem mit der Glorifizierung des Schlachtgetümmels auf.
Das wohl umfassendste Informationsangebot findet sich auf den Webseiten des Museums und Park Kalkriese: Geschäftsführer Christian Jaletzke und sein Team dokumentieren die Geschichte, es gibt detaillierte Infos zu Römern und Germanen von der Marschordnung bis zur „Uniform". Daneben wird der Verlauf der Ausgrabungen beschrieben, es gibt Wissenswertes zum Museum und seinen Sonderveranstaltungen. Auch die Varus-Gesellschaft, die sich der „Förderung der vor- und frühgeschichtlichen Ausgrabungen im Osnabrücker Land" verschrieben hat, ist auf der Datenautobahn vertreten: Websurfer können sich hier über Fördermöglichkeiten informieren und auch gleich eine Mitgliedschaft beantragen.
Alle, denen das immer noch nicht reicht, können beim Projekt Gutenberg Heinrich von Kleists 1821 herausgegebenes Drama „Die Hermannsschlacht" kostenlos als Volltext abrufen, daneben gibt es noch jede Menge touristisch orientierte Infoseiten über Bramsche, Kalkriese, den Museumspark und sogar einen Campingplatz in der Umgebung. Filminteressierte können sich bei dem englischsprachigen Webprojekt „Clades Variana" an einer Initiative beteiligen, die einen historischen Film über die Schlacht drehen will - zu der 1996 an der Düsseldorfer Kunstakademie entstandenen Filmsatire „Die Varusschlacht", in der sogar Malerfürst Markus Lüpertz mitspielt, finden sich jedoch bis auf eine Kritik keine Informationen und schon gar keine Bilder im Netz. Schade eigentlich - Lüpertz als schmucker Römer ist ein echtes Bild für die Götter, außerdem hat die verrückte und durchgehend auf Latein vorgetragene Geschichte einen durchaus wahren Kern. Im Mittelpunkt stehen einige Wissenschaftler aus dem Jetzt, die eine Zeitreise mitten ins Schlachtgetümmel machen und dort für eine Verlegung des Hermannsdenkmals aus Detmold nach Kalkriese plädieren.
Apropos Hermannsdenkmal: Das 1875 errichtete Standbild, ist natürlich auch mit einer Webseite im Netz vertreten. Jährlich kämen 20 Mio. Besucher zu dem Denkmal, das an die Schlacht im Jahr 9 nach Christus im Teutoburger Wald erinnere, heißt es dort. Selbst über ein dem Hermann nachempfundenes Denkmal in Amerika wird informiert - das der echte jedoch streng genommen an einem falschen Ort steht, darüber verliert die Webseite kein einziges Wort.
|