
Der alte Mann und das Mehr - „Schumis“ Comeback: Ein für die Motorsport-Branche nicht zu toppender Glücksfall
Von Alfons Batke
Osnabrück.
Er hat es versucht. Michael Schumacher wollte sich von seiner Sucht befreien. Doch er ist und bleibt ein Speed-Junkie. Er kann nicht anders. Und so sind wir nur mäßig überrascht, dass er am kommenden Sonntag wieder in einem Formel-1-Boliden sitzt und auf einem Wüstenkurs im Kreis fährt.
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| Kommando Comeback: Michael Schumacher ist die neue alte Attraktion im Zirkus Formel 1. |
Für die Branche ist das Schumacher-Comeback ein durch nichts zu toppender Glücksfall. „Schumi“ selbst hat das Dollarzeichen auf der Brille von Bernie Ecclestone entdeckt, wie er in einem Interview mit dem „Stern“ anmerkte. Es sollte ein kleiner Scherz sein, doch es ist die simple Wahrheit: Ecclestone, der Formel-1-Impressario, wittert frische Morgenluft für sein zuletzt etwas zähes Geschäft.
Mit Schumacher als seriös um Punkte und Titel mitfahrenden Piloten lassen sich neue Märkte erschließen. Und die findet man nicht gerade in der Wüste, sondern in den Metropolen dieser Welt. Ecclestone, der im Oktober 80 Jahre alt wird, will es noch miterleben, wenn die Rennwagen durch die Häuserschluchten New Yorks oder Tokios brettern.
Der alte Mann will mehr
Schumacher könnte dann auch noch dabei sein. Sein Comeback ist nicht auf Kurzfristigkeit angelegt, der 41-Jährige hat sich für drei Jahre an das neue Mercedes-GP-Team gebunden – Verlängerung nicht ausgeschlossen. Sieben WM-Titel, fünf Titel in Serie, 91 Grand-Prix-Siege. 154 Podestplätze, 68 Pole-Positionen, 76 schnellste Rennrunden, 23 848 Führungskilometer oder 1369 WM-Punkte – Rekorde für die Ewigkeit, dachte man. Doch der „alte Mann“ will mehr.
Experten halten den Silberpfeil-Piloten für konkurrenz-, wenngleich nicht auf Anhieb siegfähig; auch ein Routinier wie Schumacher muss sich erst auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen. Die Testfahrten haben gezeigt, dass er mithalten kann, jetzt will er es vielen Rivalen, die seine Söhne sein könnten, auf der Piste zeigen: „Ich bin heiß aufs Fahren auf hohem Niveau.“ Der Satz mag trocken klingen, doch es ist eine Kampfansage an die Konkurrenten.
Comeback hergesehnt
Was Schumacher als Fahren auf hohem Niveau versteht, hat er in 15 Jahren Pistenhatz eindrucksvoll und häufig zum Leidwesen seiner Rivalen zur Schau gestellt. Wie ein Brummifahrer beim ersten Schnee der Saison pflegte er die Überholspur zu nehmen, die Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer ist nicht gerade das, was in seiner Tugendsammlung zu finden ist.
Gleichwohl: Die Vollgasszene hat sich dieses Comeback herbeigesehnt wie ein Kind den Heiligen Abend. Dabei schenkt Schumacher reichlich. Arbeitgeber Mercedes sonnt sich im silbernen Glanz und hofft auf einen Absatzboom, den der neue Werbeträger Schumacher offenbar schon eingeleitet hat. Und auch für den Formel-1-Haussender RTL könnte die Rückkehr so etwas sein wie einst für das ZDF Schwarzwaldklinik und Traumschiff auf einen Schlag – eine Quotenspritze mit Langzeitwirkung.
"Seine Leidenschaft ist riesig"
Ob der Ex-Rentner auf Sicht das auslösen kann, was insbesondere Mitte der Neunzigerjahre als „Schumania“ durch das Land schwappte, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich aber ist, dass er in den ersten Monaten magnetische Wirkung erzielen wird. Sollte sich herausstellen, dass Fahrer und Auto im Paket funktionieren, hat das Projekt Comeback eine Zukunft. Wer wird das besser wissen als Schumachers Ehefrau Corinna, die fast schon analytisch anmerkte: „Das Rennfahren hat ihn zu dem gemacht, was er ist. Seine Leidenschaft dafür ist riesig.“ Und wird nebenbei ganz anständig besoldet.
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