
Zwischen Ironie und Coolness: Neuverfilmung von „Jerry Cotton“ erfrischend mutig, aber mit kleinen Schwächen
Von Marcus Tackenberg
München.
Jerry Cotton kehrt nach mehr als 30 Jahren in die Kinos zurück. Doch anders als bei den hölzernen Verfilmungen mit George Nader (1965–1969) will der aktuelle Streifen über den drahtigen FBI-Agenten kein reiner Thriller sein. Parodie und Hommage auch nicht. Die unorthodoxe Gratwanderung zwischen den Genres ist erfrischend mutig, wenn auch gewöhnungsbedürftig.
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| Im Griff des fiesen Schwaben Klaus Schmidt (Heino Ferch): FBI-Agent Jerry Cotton (Christian Tramitz). |
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Foto: APN
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Cyrill Boss und Philipp Stennert hätten vielleicht besser einem der 2751 Jerry-Cotton-Romane als Plot für ihren Film vertraut. Stattdessen verpassen die Regisseure, berüchtigt durch ihre klamaukige Edgar-Wallace-Persiflage „Neues vom Wixxer“, dem erfolgreichsten Helden der Trivialliteratur ein Drehbuch, das inhaltlich vom gewohnten Bild der Romanfiguren abweicht und am Ende schwächelt.
Immerhin spielt der bislang eher auf Komödien geeichte Christian Tramitz den Super-Agenten mit augenzwinkernder Lässigkeit und einer angenehmen Balance aus James-Bond-Ironie und Dirty-Harry-Coolness. Sein ewiger Serienpartner Phil Decker (Christian Ulmen) darf als Neuling beim FBI mit bizarren Verkleidungstricks à la Inspektor Cluseau und schrullig-tapsiger Welpenhaftigkeit punkten, geht Cotton jedoch als Assistent zunächst gehörig auf den Nerv. Auch wenn mit dieser Konstellation das altbewährte „Buddymovie“-Prinzip überstrapaziert wird – das komödiantische Timing des Ermittler-Duos ist stimmig und sorgt für gute Laune.
Der Boss schwäbelt
Comicmäßig überzeichnet sind auch die anderen Figuren im Film, allen voran die mysteriöse Bande um ihren herrlich schwäbelnden Boss Klaus Schmidt (Heino Ferch), die hinter der Beute des ermordeten „Puppenspielers“ (Moritz Bleibtreu) her ist.
Ausgerechnet FBI-Star Cotton, gerade noch von seinem Chef (Herbert Knaup) gelobt, wird im Zuge seiner Ermittlungen von der eiskalten Daryl D. Zanuck von der Dienstaufsicht (Christiane Paul) als Mörder seines Kollegen Ted Conroy verdächtigt. Heißblütig agiert dagegen Erotiktänzerin und Gangsterbraut Malena (Monika Cruz), die dem Helden erst aus der Patsche hilft, ihn später aber für eigene Zwecke benutzt.
Einige Cameo-Auftritte bekannter Comedians wie etwa Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe wirken im ersten Moment überraschend, stören aber den Erzählrhythmus. „Weniger wäre mehr gewesen“ gilt auch für so manche überflüssige Pointe. Denn allein die schrägen Figuren und ihre skurrilen Attribute hinterlassen in einem plakativ nachgestellten Manhattan unterhaltsame Wirkung.
„Jerry Cotton“: Deutschland 2010, 100 Minuten, R: Cyrill Boss, Philipp Stennert; D: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, FSK: 12
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